Die ersten Schwarzwälder Kuckucksuhren (Teil 2)

Der Vogelfänger wartet vergeblich auf den Kuckuck, Mustergehäuse nach Entwurf von H. Frank, 1850er Jahre, Höhe: 52 cm. (Inv. 18-0224)

Jeder Tourist glaubt zu wissen, wie eine Kuckucksuhr auszusehen hat. Aber der Weg zur Kuckucksuhr im Häuschen mit den üppigen Tier- und Pflanzenschnitzereien war lang. Bevor der Schwarzwälder Kuckuck sein eigenes Heim beziehen konnte, war er zu Gast in vielen Formen der Schwarzwalduhr. Lesen Sie dazu mehr im Teil 2 des Berichts über die ersten Schwarzwälder Kuckucksuhren.

 

 

Neue Moden – neue Designs – neue Uhrenformen

Lackschilduhr mit Kuckuck, 1. Hälfte 19. Jahrhundert, Höhe: 39 cm. (Inv. 10-0091)

Bis etwa 1850 hatte die Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald kein eigenständiges Gesicht. Der Vogelruf war ein Zusatzmechanismus für die Schwarzwalduhr. Lediglich durch das Türchen unterschieden sich frühe Kuckucksuhren von außen von anderen Schwarzwälder Produkten. Die stilistische, aber auch die technische Entwicklung der Kuckucksuhr folgt der allgemeinen Entwicklung im Schwarzwald. Man erkennt die frühesten Kuckucksuhren an ihren Holzschildern, die mit Kupferstichen beklebt und teilweise koloriert waren.

Um 1800 tauchen erste Lackschilduhren auf. Sie sollten für fast ein Jahrhundert die populärste Form der Schwarzwalduhr bleiben. Dank Serienproduktion war das Lackschild unschlagbar günstig.  Das weißgründige Schild mit dem halbkreisförmigen Bogen wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts der jeweiligen Mode und den Anforderungen unterschiedlicher Märkte angepasst. Die Ecken sowie der Bogen sind meist mit Blumenmotiven oder geometrischen Mustern verziert. Sehr populär war die stilisierte Form der „Apfelrose“.

Kastenuhr mit Kuckuck, ca. 1850-1880, Höhe: 36 cm. (Inv. 2007-047)

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts experimentierten die Schwarzwälder mit vielfältigen Formen. Bislang waren im Schwarzwald überwiegend Uhren hergestellt worden, bei denen ein großes Schild das rückseitige Werk verdeckte. Jetzt entstanden erstmals in größerer Zahl Uhren mit einem regelrechten Gehäuse. Diese „Kastenuhren“ mit ihren schlichten geometrischen Formen, teilweise auch links und rechts/zu beiden Seiten mit kleinen Säulen zur Verzierung, erinnern an die Kunstepoche des Biedermeier. Im Schwarzwald wurden solche Uhren zwischen 1840 und 1880 gebaut – und gelegentlich wohnte in diesen „Biedermeieruhren“ auch ein Kuckuck.

Eine Uhrenform, die auf Modetendenzen aus den europäischen Metropolen antwortete,  waren  die „Rahmenuhren“. Das Wiener Vorbild hatte um 1830 eine prächtige Schaufront in Form eines Bilderrahmens mit verziertem Spiegel. Das Holzgehäuse war echt vergoldet und mit ebenfalls vergoldeten Messing- oder Zinnbeschlägen dekoriert.

Rahmenuhr mit Kuckuck, Schwarzwald, ca. 1850-1880, Höhe: 34 cm. (Inv. 05-3775)

Preisgünstige Nachahmungen dieser Wiener Rahmenuhren wurden im Schwarzwald mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa 20 Jahren ab Mitte des 19. Jahrhunderts populär. Sie waren mit seriell geprägten Messingschildern ausgestattet. Durch Polieren oder Behandeln mit Salpetersäure erhielt das Messing eine goldfarbene Oberfläche. Einige dieser Rahmenuhren, die in größeren Stückzahlen bis in die 1880er Jahre produziert wurden, gab es auch mit einem Kuckucksmechanismus zu kaufen.

In diese Zeit der Experimente mit neuen Formen fällt auch die Erfindung der bis heute als Souvenir beliebten Kuckucksuhr in Häuschenform mit mehr oder minder üppigen Schnitzereien an der Vorderseite. War der Kuckuck bislang nur ein Zusatzmechanismus zu gängigen Arten der Schwarzwalduhr gewesen, so zog er nun erstmals in ein Gehäuse ein, das speziell für ihn gemacht schien. Was es mit der Erfindung des „Bahnhäuslekuckucks“ auf sich hat, lesen Sie in Kürze in diesem Blog.

 

Lesen Sie weiter:

Wer hat’s erfunden? Zur Frühgeschichte der Kuckucksuhr

Die ersten Schwarzwälder Kuckucksuhren (Teil 1)

Auf Augenhöhe mit dem Riesenkuckuck

Weltgrößte Kuckucksuhren (Teil 1)

 

2 Kommentare zu „Die ersten Schwarzwälder Kuckucksuhren (Teil 2)

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