Das Pferd von hinten aufzäumen

Lackschilduhr mit gespiegeltem Zifferblatt und rückwärtsgehenden Zeigern, Mitte 19. Jahrhundert.

Erkennen Sie, wie spät es ist? Nein, nicht neun Minuten nach Zehn! Bei genauerem Betrachten der Uhr wird klar: Die Zeiger laufen gegen den Uhrzeigersinn, also rückwärts. Da aber das komplette Ziffernblatt spiegelverkehrt aufgemalt wurde, läuft die Uhr insgesamt doch vorwärts. Doch was ist der Sinn einer spiegelverkehrten Uhr? Ist sie ein Scherzartikel oder hat sie eine nützliche Funktion?

Vergrößerung des Reiters.

Warum die Uhr mit dem rückwärts auf dem Pferd sitzenden Reiter spiegelverkehrt hergestellt wurde, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie Menschen amüsieren oder zum Nachdenken anregen sollte. Dafür spricht auch der auf der Uhr dargestellte Reiter. Er sitzt rückwärts auf seinem Pferd, das nach vorne galoppiert. Das kann uns einerseits zum Lachen bringen. Andererseits zeigt sich hier: Menschen träumen zwar schon lange von Reisen in die Vergangenheit, aber egal wie man eine Uhr dreht oder wendet, die Zeit läuft nicht rückwärts.

Dies zeigt sich hier, wenn man die Uhr mit Hilfe eines Spiegels betrachtet. Dann sieht man Ziffern und Zeiger in der gewohnten Art und kann einfach erkennen, wie spät es ist. Der Reiter sitzt jedoch noch immer rückwärts auf seinem Pferd. Probieren Sie es doch auch einmal aus und greifen Sie zu einem Spiegel!

Gespiegelte Turmuhr am Münchener Isartor. Foto: Rufus46, CC BY-SA 3.0.

Auch heute noch gibt es gespiegelte Uhren in zahlreichen Variationen zu kaufen. Vornehmlich als Scherzartikel gedacht, sind sie beispielsweise in Bayern sehr beliebt. Hier gehen die Uhren ja bekanntlich sowieso anders – das wusste schon Willy Brandt. So kann man zum Beispiel am Münchner Isartor neben einer „normalen“ Turmuhr auch eine spiegelverkehrte bewundern.

Eine typische Friseur-Uhr.

Dagegen gibt und gab es auch gespiegelte Uhren, die einem bestimmten Zweck dienten. Zum Beispiel berichtete die französische Uhrmacherzeitschrift „La France horlogère“ 1913 von einem findigen Friseur. Dieser kam auf die Idee, seiner Kundschaft zuliebe die Uhren zu spiegeln. Somit konnten alle Personen auch dann die Uhrzeit erkennen, wenn sie vor sich in den großen Spiegel des Friseursalons blickten. Diese so genannten Friseur-Uhren waren – wie der Name schon verrät – häufig in Friseursalons zu finden. Sie waren vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika weit verbreitet. Bis heute gibt es solche spiegelverkehrten Uhren zu kaufen, die speziell für Friseursalons gedacht sind.

Das Team des Deutschen Uhrenmuseums wünscht Ihnen und Ihrer Familie besinnliche Festtage und ein frohes Neues Jahr 2018.

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