Glanzstücke im Deutschen Uhrenmuseum (Teil I)

Astronomisch-geographische Kalenderuhr von Thaddäus Rinderle.

Was haben eine Kirchturmuhr von 1775 aus Breisach, eine astronomisch-geographische Uhr von Pater Rinderle, eine Türmchenuhr von Michael Wagner und die älteste Schwarzwalduhr gemeinsam? Sie zählen zu den zwölf „Glanzstücken“ des Deutschen Uhrenmuseums. Die astronomisch-geographische Uhr von Pater Thaddäus Rinderle gehört zu den originellsten Schöpfungen der so genannten Priestermechaniker. Dr. Johannes Graf, der stellvertretende Direktor und wissenschaftliche Mitarbeiter des Uhrenmuseums, hat sie als sein persönliches „Glanzstück“ gewählt.

Immer wieder werden wir nach besonderen Uhren gefragt, die man im Deutschen Uhrenmuseum unbedingt gesehen haben sollte. Aus diesem Grund gibt es die „Zwölf Glanzstücke“. Einige unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen stellen hier ihren Favoriten vor.

Herr Graf, warum haben Sie gerade die Uhr von Thaddäus Rinderle als Ihr „Glanzstück“ ausgewählt?

Diese Uhr habe ich vor allem aus drei Gründen ausgewählt: Die Uhr ist einerseits ein besonderes Stück der Schwarzwälder Uhrengeschichte, andererseits auch der Museumsgeschichte. Außerdem zählt Thaddäus Rinderle zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Schwarzwälder Uhrmacherei.

Wer war Thaddäus Rinderle und welche Beziehung hatte er zur Uhrenherstellung im Schwarzwald?

Thaddäus Rinderle (1748-1824) war ein Benediktinerpater in St. Peter im Schwarzwald. Hier kam er in Kontakt mit modernen Naturwissenschaften und studierte bald Mathematik in Salzburg. Zurück im Schwarzwald konstruierte er verschiedene Maschinen und Messinstrumente, zum Beispiel Uhren.

Erfindung Rinderles: Spindelbohrer zum Herstellen der Laternentriebe.

Rinderle war nicht nur wegen der Uhren, die er in seiner Zeit in St. Peter selbst herstellte, von Bedeutung für die Schwarzwälder Uhrmacherei. Der sogenannte Uhrenpater gab sein Wissen auch an die Menschen, die in der Umgebung lebten, weiter. So unterstützte er die Uhrmacherei im Schwarzwald. Außerdem entwickelte er verschiedene Werkzeuge und Maschinen, die die Arbeit der Uhrmacher vereinfachten.
1788 wurde Rinderle dann durch die Universität Freiburg zum Professor für angewandte Mathematik ernannt. Er starb 1824 in Freiburg.

Warum bauten Priester astronomische Uhren?

Das Kloster St. Peter im Schwarzwald.

Klöster waren nicht nur zu Zeiten Rinderles besondere Wissensräume. Hier wurde altes Wissen bewahrt, und neues gesammelt – häufig unzensiert. Das heißt, Mönche hatten in den Klöstern auch Zugang zu „ketzerischen“ Texten, zu denen beispielsweise revolutionäre naturwissenschaftliche Werke zählten.

Außerdem gab es im Zeitalter der Aufklärung gab es noch keine strenge Trennung von Wissenschaft und Religion. Im Gegenteil: die Priester suchten häufig mit Hilfe zeitgenössischer wissenschaftlicher Methoden nach „göttlichen Gesetzen“. Sie versuchten also möglichst genaue Erkenntnisse, zum Beispiel über die Bewegung von Himmelskörpern, zu erlangen. Mit Hilfe der Darstellung der Erkenntnisse, wie hier in Form der astronomisch-geographischen Uhr, wollten sie das Wirken Gottes dann veranschaulichen.

Weiß man, wie die Rinderle-Uhr ins Museum kam und wo sie sich davor befand?

Handschriftliche Beschreibung der Rinderle-Uhr.

Ja, das weiß man bei der astronomisch-geographischen Uhr sogar so genau, wie bei keinem anderen Objekt unserer Sammlung. Die Geschichte dieser Uhr ist nämlich lückenlos dokumentiert: Thaddäus Rinderle fertigte die Uhr 1787 in St. Peter. Aus dieser Zeit liegt auch eine Beschreibung der Uhr vor, die er selbst anfertigte. So lange der Uhrenpater lebte, also bis 1824, war die Uhr in seinem Besitz.

Nach Rinderles Tod hatte die Uhr verschiedene Besitzer und wurde um 1853 zur Reparatur an die Uhrmacherschule Furtwangen übergeben. Diese wollte das Objekt gerne in ihre Sammlung historischer Uhren aufnehmen und erwarb die Uhr 1859. Seit dem Kauf gehört die Uhr von Pater Rinderle somit zu jener Sammlung, mit der die Geschichte des Deutschen Uhrenmuseums begann. Bis heute ist sie hier ein beliebtes Objekt.

Sind Sie neugierig geworden? Dieses und weitere „Glanzstücke“ gibt es im Deutschen Uhrenmuseum zu sehen. Außerdem können Sie sich schon auf die nächste „Glanzstück“-Vorstellung auf unserem Blog freuen.

2 Kommentare zu „Glanzstücke im Deutschen Uhrenmuseum (Teil I)

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