„… für des Uhrmachers treue Helferin“ – Eine Frauenzeitung in den 1920er Jahren

Logo der Frauenzeitschrift der Uhrmacher-Woche (Ausschnitt).

„Fern, fern im Nebel der Zeit liegt eine unbeugsame Meinung meines lieben Mannes, sie lautet: der Mann gehört ins Geschäft, die Frau ins Haus.“ (Blankenhorn, S. 4), so Maria Blankenhorn, Frau eines Uhrmachers, 1925. Das Selbstverständnis vieler Frauen hatte sich im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts stark gewandelt.

Im Ersten Weltkrieg wurden viele Uhrmacher zum Militärdienst eingezogen. Die Ehefrauen und Töchter hatten nun das Geschäft zu führen. Nach Kriegsende nahm der Uhrmacher seine alte Stellung wieder ein. Dennoch konnten einige Frauen – so auch Maria Blankenhorn – weiterhin am Arbeitsleben teilhaben.

Die Frauenzeitung der Uhrmacher-Woche

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Elise Brunner schaffte es als geprüfte Uhrmachergehilfin auf die Titelseite. Quelle: Frauenzeitschrift der Uhrmacherwoche, Nr. 9 (1929).

In kleineren Uhrengeschäften scheint die Mitarbeit der Frauen keine Seltenheit gewesen zu sein. Denn die Zeitung Die Uhrmacher-Woche erklärt: „Die Entwicklung unseres Wirtschaftslebens hat dahin geführt, daß heute nur wenige Uhrengeschäfte zu finden sind, in denen nicht die Frau mit tätig ist, sei es als Gattin oder Tochter des Inhabers oder als angestellte Verkäuferin.“ (Die Uhrmacher-Woche, Nr. 1, 1925, S. 3) Darum erschien ab Januar 1925 alle vierzehn Tage die Frauen-Zeitung der Uhrmacher-Woche. Ein Sonntagsblatt für des Uhrmachers treue Helferin als Beilage zur eigentlichen Zeitung. Man wollte so „zum Lieblingsblatt der deutschen Uhrmacherfamilie“ werden (ebd.).

Mit Novellen, Gedichten, praktischen Ratschlägen und gelegentlich fachlichen Fragen wollte die Uhrmacher-Woche die im Uhrengeschäft tätigen Frauen ansprechen. Die vierseitige Beilage enthielt Informationen aus Politik und Kultur, unterhaltende Beiträge und einen Ratgeberteil mit Tipps zu Haushalt und Familie.

Das Frauenbild der Zeitung

Die Kindererziehung durfte nicht zu kurz kommen. Quelle: Frauenzeitschrift der Uhrmacherwoche, Nr. 5 (1925).

Für die Frauenzeitung der Uhrmacher-Woche stand nicht zur Debatte, dass Frauen für die Haushaltsführung und die Kindererziehung zuständig waren. Doch im Gegensatz zu manch anderen Frauen- oder Wirtschaftszeitschriften wurde die Frauenerwerbstätigkeit respektiert und stellenweise sogar gefordert. Die Frauen, die im Geschäft mitarbeiten wollten, waren vor so manche Herausforderung gestellt. Denn – das war der Uhrmacher-Woche klar – Haushalt und Kindererziehung durften nicht zu kurz kommen. So gab es in der Zeitung immer wieder Ratschläge, wie man im Haushalt Zeit einsparen konnte.

In Ausgabe 9 von 1925 startete die Schriftleiterin der Frauenzeitung der Uhrmacher-Woche, Else Großmann, eine Umfrage zum Thema „Wieviel beträgt das monatliche Wirtschaftsgeld der Uhrmacher-Hausfrau?“ (Großmann, S. 36). Diese Frage sei von allgemeinem Interesse. Vielleicht könnten Antworten auf die Frage „einer bedrängten Schwester“ helfen. In Ausgabe 8 hatte man schon einen Justizrat zu Wort kommen lassen. Er hatte die weibliche Leserschaft über ihre Rechte und Pflichten bezüglich des Haushaltsgelds aufgeklärt. Frauen hatten „z.B. einen rechtlichen Anspruch auf Zahlung eines Wirtschaftsgeldes, das zur angemessenen Führung eines standesgemäßen Haushaltes nötig“ (Nolte, S. 32) war. Falls notwendig, könnte die Frau ihren Ehemann durch ein Gerichtsurteil dazu zwingen, erklärt der Justizrat.

Zwar entsprach die Zeitung in vielen ihrer Inhalte (z.B. Haushaltstipps, Kochrezepte und Handarbeits-Anleitungen, sowie die Unterhaltungsbeiträge und Rätsel) den gängigen Frauenzeitungen der Weimarer Republik. Es gab aber auch Unterschiede: Denn die Beilage richtete sich an Frauen im Berufsleben. Zeitgenössische Debatten, zum Beispiel über die Veränderung der Arbeitseinteilung in männliche und weibliche Sphären oder die Entlohnung der Hausfrau, wurden aufgegriffen und somit einer breiteren LeserInnenschaft zugänglich gemacht.

Interessiert Sie das Thema? Hier finden Sie mehr!

Blankenhorn, Maria: Die Frau als Gehilfin des Mannes, in: Frauenzeitung der Uhrmacherwoche, Nr. 1, 1925, S. 4.

Großmann, Else: Wieviel Wirtschaftsgeld brauchst du?, in: Frauenzeitung der Uhrmacherwoche, Nr. 9, 1925, S. 36.

Herzog, Susanne: Die „neue Frau“, in: LEMO. Lebendiges Museum online, Berlin 2002.

Manske-Wiggershaus, Britta: „Aus dem Reich(e) der Frau“. Das Frauenbild der Dinta-Werkzeitschriften in den zwanziger Jahren am Beispiel der Werkzeitschrift „Harpen“, in: AKKUMULATION. Informationen des Arbeitskreises für kritische Unternehmens- und Industriegeschichte, Nr. 21 (2005), S. 12-22.

Nolte, Dr.: Das Wirtschaftsgeld im Rechtsleben, in: Frauenzeitung der Uhrmacherwoche, Nr. 8, 1925, S. 32.

Schüler, Anja: Bubikopf und kurze Röcke, in: BPB-Dossier: Frauenbewegung, 2008.

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